Montag, 24. Dezember 2012

Wo bleiben eigentlich wir Väter in der Lyrik?

Question by Felix: Wo bleiben eigentlich wir Väter in der Lyrik?
Es gibt unzählig schöne, ergreifende Gedichte, in denen Müttern ein Denkmal gesetzt wird. Ich finde das prima.

Hier ein solches von Heinrich Heine:

An meine Mutter II

Im tollen Wahn hatte ich dich einst verlassen,
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn, ob ich die Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
Vor jeder Thüre streckt`ich aus die Hände,
Und bettelte um g´ringe Liebesspende, -
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.
Und immer irrte ich nach Liebe, immer
Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,
Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.
Doch da bist du entgegen mir gekommen,
Und ach! was da in deinem Aug`geschwommen,
Das war die süße, langgesuchte Liebe.

Aber wer von euch kann uns eine Hymne auf uns Väter senden? Wer kennt ein Gedicht, in dem Väter geliebt werden, in denen man uns ein lyrisches Denkmal setzt?
HILFE!
@Omania: Jo, er war sicher ein guter - und er war ja auch Vater. Also, ich lass es "gelten" und danke dir.
@Mimi,@Kalitzki, @Hexchen`s: Ja sicher, der >Erlkönig< ist eine Hommage an den Vater. Einverstanden.
Aber wo bleibt das Liebes- und Dankesgedicht an uns Väter - direkt von Söhnen und Töchtern? Es werden ja auch "Ribbecks" gute Taten nur sozusagen von "außen" besungen - dennoch ein wunderschönes Gedicht.
@Kalitzki: Danke, ich werde mal "forschen", ob ich i c h (jetzt mal als Vater) besungen werde.
@Hiltrud Maria: Ich danke dir für deinen Beitrag, denn er bestätigt meine "Befürchtung", dass die Lyrik mit uns Vätern ein wenig sparsam umgeht. Und deine Begründung scheint mir einleuchtend zu sein.
Ist es nicht auch häufig so, dass bei einer Scheidung letztlich die Mutter die Kinder emotional mehr an sich bindet, als es den Vätern gelingt? Ich rede nicht vom Sorgerecht oder sonstigen juristischen Entscheidungen.


Best answer:

Answer by Mimi
wer reitet so spät durch nacht und wind.......find ich klasse!



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3 Kommentare:

  1. ...im "erlkönig" hat´s der vater wenigstens versucht.....

    ...und hier noch 31 weitere zum selbst aussuchen...

    http://www.gratis-gedicht.de/tag/Vater/

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  2. Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
    Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
    Und kam die goldene Herbsteszeit
    Und die Birnen leuchteten weit und breit,
    Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
    Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
    Und kam in Pantinen ein Junge daher,
    So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
    Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
    Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«


    So ging es viel Jahre, bis lobesam
    Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
    Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
    Wieder lachten die Birnen weit und breit;
    Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
    Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
    Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
    Trugen von Ribbeck sie hinaus,
    Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
    Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
    Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
    »He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«


    So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
    Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
    Der neue freilich, der knausert und spart,
    Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
    Aber der alte, vorahnend schon
    Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
    Der wußte genau, was damals er tat,
    Als um eine Birn' ins Grab er bat,
    Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
    Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.


    Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
    Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
    Und in der goldenen Herbsteszeit
    Leuchtet's wieder weit und breit.
    Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
    So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
    Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
    Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«


    So spendet Segen noch immer die Hand
    Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.


    ER war doch auch ein GUTER!

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  3. Ich alter Lyrik-Freak muss von Dir mit der Nase auf diese Lücke gestoßen werden. Peinlich. Du hast mich da sehr nachdenklich gemacht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Mütter immer für die zarten Saiten der Kinder zuständig waren, wären die Väter die rauhe Außenwelt beherrschen und die Familie schützen und ernähren mussten. Insofern waren wohl die seelischen Bindungen meistenteils an die Mütter geknüpft. Das heißt aber nicht, dass man nicht die gleiche Liebe zu dem Vater hat. Nur glaubt man vielleicht, dass Väter, prima Kumpels und unheimlich liebenswert, nicht in das Konzept einer zarten Poesie passen. Auch in einem "Erlkönig" ist die Liebe des Vaters nicht so schwülstig und ans Herz gehend wie man das bei einer Mutter erleben würde.
    Väter sind Männer, und Männer sind aus anderem Holze geschnitzt. Väter werden dafür als Vorbilder in vielen großen Romanen glorifiziert. Wie schon Erika Stark schrieb: "Eine Frau ist kein Mann", und umgekehrt eben auch nicht.
    @Fragesteller Du liegst völlig richtig mit Deiner Vermutung. Es ist halt seit Jahrtausenden so, dass die Kinder mit der Mutter an die Höhle und später das Haus gebunden waren, während der Vater sorgte, damit seine Lieben nicht verhungerten. Dass sich durch das enge Beieinandersein von Mutter und Kind eine ganz andere Bindung aufbauen konnte, ist zwar traurig für den Vater aber vollkommen folgerichtig. Dafür hatte der Vater aber immer den Dank und liebevollen Respekt seiner Nachkömmlinge.

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