Montag, 24. Dezember 2012

Mosaik eines untergegangenen seltsamen Ländchen?

Question by paradox: Mosaik eines untergegangenen seltsamen Ländchen?
Auch das Leben in der DDR war viel zu komplex, um es auf schwarz oder weiß, Täter oder Opfer zu reduzieren. Als einstiger Bürger dieses Landes habe ich immer das Gefühl einer gestohlenen Vergangenheit, wobei dabei einerseits die Selbstverständlichkeiten eine Rolle spielten, die sich im Nachhinein als Lügen herausstellten, andererseits auch die Okkupation der Geschichte durch westliche Auslegung. (Konkretes Beispiel, der "Vopo" ein Wort, das kein DDR-Bürger sagte, das uns aber als "Slang" übergestülpt wurde) Nun ist ja auch hier bei Y!C eine Generation stark vertreten, die diese DDR noch erlebt hat - von innen und von außen.
Könntet ihr bitte von einer eigenen Erinnerung erzählen, die ihr ganz subjektiv mit der DDR verknüpft, sowohl positiv als auch negativ oder einfach nur kurios.
Ich möchte dabei keine Allgemeinplätzchen (Sozialsystem oder so) will sie weder verklären noch verdammen, sondern etwas wie ein Mosaik des alltäglichen Lebens in ihr und mit ihr entstehen lassen.
Könnt ihr da euer Steinchen dazu beitragen?
Schöne erste Antwort. Und um genau diese "Unwichtigkeiten" geht es mir.


Best answer:

Answer by Paris loves Poker
ich bin Kölnerin..

aber ich erinere mich als ich 1990 zum ersten mal in Thüringen war...überall Obstbäume an den Strassenrändern...

Das hat mich an meine KIndheit im Western erinnert...an die 60er Jahre....da gabs das auch noch...

bevor für die Autos Platz gemacht wurde.
Ich würde mr wünschen sie ständen noch...in Thüringen und überall.

Nichts Wichtiges...aber das fällt mir spontan ein.



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6 Kommentare:

  1. Wie die Mauer noch stand kam die Verwandtschaft und hat sich von Gemeinde und Kirche Geld abgeholt. Nach dem Fall lässt die sich nicht mehr blicken. (Und das find ich auch gut so)

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  2. Mir fiel dazu spontan ein, dass ich Brieffreundinnen hatte und man manchmal wirklich aufpassen musste, was man schrieb, denn gelegentlich ging auch schon einmal ein Brief in der Post verloren.

    Aber auch, dass ich immer noch eine braun-weisse Vase zu Hause rumstehen habe, die mir eine meiner Brieffreundinnen damals als Weihnachtsgeschenk geschickt hatte... ich will nicht wissen, was die Mädels damals in diese Päckchen investiert haben...

    Und letztendlich mein erstaunen, als ich in den ersten Jahren nach der Wende mit meinem Mann zusammen einen Besuch bei unseren Bekannten in Berlin machte, darüber, wie holprig und schlecht die Strassen damals im Osten noch waren. Kein Vergleich zu heute, fast zwanzig Jahre später.

    Und vor allen Dingen meine Ehrfurcht, als ich mit meinem Mann zum ersten Mal nach Berlin fuhr und damals über, wie er sagte eine Autobahn fuhr, die zu einem der ehemaligen Grenzübergänge führte, wo man noch die Türme sehen konnte und von der mein Mann sagte, dass es sich dabei eigentlich um eine Rollbahn gehandelt hatte, die im zweiten Weltkrieg durch diesen Nichtsnutz gebaut wurde, auf den ich eigentlich mein Leben lang sauer war...

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  3. Hej ... ich kann LEIDER gar nichts beitragen ... bin weder in
    der Deutschen Demokratischen Republik aufgewachsen und
    LEIDER habe ich sie auch nie besucht .... ich bedaure das
    heute sehr.

    Deine Frage finde ich wieder einmal sehr spannend und ich
    hoffe und bin gespannt auf die Antworten, die Du Dir wünschst.

    Aber ich will Dir gerne sagen, dass ich mich als einer dieser
    "Wessis" unbehaglich damit fühle, dass "unser System" so
    rigoros, so unachtsam, so wenig klug den Menschen in der
    DDR "übergestülpt" wurde. Und ich kann sehr gut nach-
    vollziehen, dass man/frau von "drüben" das Gefühl einer
    gestohlenen und vielfach verdrehten und missinterpretierten
    Vergangenheit hat.

    Mir persönlich fehlt die Anerkennung der Lebensleistung
    der Menschen, die im östlichen Teil Deutschlands gelebt
    haben. Die Anerkennung und die Akzeptanz und dadurch
    die Achtung - alles bezogen auf die öffentliche Wahr-
    nehmung und leider auch bezogen auf die Wahrnehmung
    vieler einzelner Menschen, die sich von "Ost-Menschen"
    nur dadurch unterschieden, dass sie "West-Menschen"
    sind. Als wenn das eine besondere Leistung wäre ...
    *** lächeln ***

    ... also .. um es in Deinen Worten zu sagen .. ich bin mit Dir
    gespannt auf die "Unwichtigkeiten" .....

    @ musiker ... DANKE !! .. das war sehr interessant .. und weil "selbst gesehen" auch sehr authentisch. Habe mit Spannung den ganzen Text gelesen. Nochmal: DANKE !!

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  4. Ich erinnere mich sehr gut an den Paketaustausch mit einer Tante in der DDR. Meine "Westpakete" mussten immer Perlonstrumpfhosen, Kakao, Pulverkaffee, Zigaretten, Schokolade und Fischkonserven enthalten, einiges davon wurde als Tauschware benutzt, damit man Handwerker bekam. Zurück kamen dann Pakete mit Weihnachtspyramiden, allerhand Glaswaren (die ich mir hier nicht geleistet hätte), sie ließ sich immer wieder etwas Tolles für mich einfallen.

    Meine Tante war Rentnerin und durfte mit ihrem Mann in den Westen reisen. Sie war eine der wenigen Personen, die nicht über das heruntergekommene Äußere meines Hauses lästerte, denn, wie ich Anfang der neunziger Jahre feststellen konnte, war man es "drüben" gewohnt, schadhaften Außenputz zu sehen.
    Nachdem ich die Stadtgrenze von Schmiedefeld passiert hatte, kam ich mir vor, als hätte ich eine Reise in die Vergangenheit gemacht, denn das Städtchen sah noch genauso aus wie ich es von einem Kindheitsbesuch 1954 in angenehmer Erinnerung hatte.

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  5. Wir hatten Tante, Onkel und Cousin in der DDR. Wir haben sie erst nach dem Mauerfall kennengelernt. Das war eine schöne Erfahrung, und hat verschiedene Blickwinkel eröffnet, mein Onkel war Dokumentarfilmer, meine Tante war Cutterin, (beide in Rente) mein Cousin ist Polizist. Da wurde viel an Sichtweisen ausgetauscht. Freunde, die aus der DDR kamen, konnten "uns" häufig gar nicht verstehen, schlugen nur die Hände über dem Kopf zusammen, über unsere "Meinung"; das Geschichtsverständnis Ost/West scheint komplett anders zu laufen.
    Und natürlich habe ich noch ca. 50 Bücher aus dem Aufbauverlag und anderen, fast alles klassische russische Literatur, ich bin sehr froh, dass ich die habe! /KG

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  6. ich habe das alles ziemlich klischeehaft mitgekriegt. wir haben verwandtschaft in der ex-DDR und ich wußte eigentlich früher nur, dass es dort keine bananen gibt, aber dafür dresdner stollen und schnitzereien aus dem erzgebirge. wegen der weihnachtspäckchen, die wir immer bekamen und die schon oft etwas skurril anmuteten, weil ich oft nicht verstehen konnte, was an den sachen so toll sein soll. und dann haben eben alle erzählt, dass die "DDRler" nicht aus ihrem land rausdürfen, weil sie dann abgeschossen werden.
    ich hatte als kind echt so die vorstellung, dass das so eine art größeres gefangenenlager sei...
    vier jahre vor der grenzöffnung war ich mal in berlin und der bruder meines damaligen freundes hat beim bundesgrenzschutz gearbeitet, ständige vertretung in ost-berlin. und der hat mich dann mal zum essen eingeladen. ich war total erstaunt, weil das irgendwie auch nicht viel anders war wie hier. auch die leute waren nicht hinter´m mond, wie ich ja immer dachte...
    das einzige, was dann wieder blöd war, war, dass wir beim zocken mit seinen ost-kollegen die zeit vergessen hatten und man ja bis 12 uhr nachts wieder drüben sein mußte. aber glücklicherweise hatte er einen diplomatenausweis und da gab es null ärger an der grenze....;-))

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